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Tipps für die Zusammenstellung einer Outdoor Notfall und Reiseapotheke

Outdoor Erste-Hilfe Notfall Set für den RucksackUnfälle und Verletzungen lassen sich auf Reisen und Ausflügen leider nicht immer verhindern, auf ein kleines und leichtes Erste-Hilfe-Notfall-Set im Rucksack sollte deshalb nicht verzichtet werden.
 

» Erste Hilfe Outdoor 

Medizinische Versorgung auf Leben und Tod ist der eher seltenere Anwendungsbereich, meistens geht es nur um die Erstversorgung kleinerer Schnittwunden, Blasen, Verbrennungen und anderer outdoor-typischen Unannehmlichkeiten.
Doch auch solche kleineren Verletzungen und Beschwerden können abseits der Zivilisation, wo professionelle medizinische Hilfe meist weiter entfernt ist, ohne eigene Notfall Ausrüstung zum Abbruch einer Tour oder auch schlimmeren Folgen führen. Zumindest aber wird es ohne geeignete Erste-Hilfe-Maßnahmen und dem richtigen Erste Hilfe Material für den Verletzten nicht gerade angenehmer. Deshalb empfiehlt es sich auf jeden Fall für kleinere Unfälle, Verletzungen und Beschwerden eine individuelle Rucksackapotheke mit einem tauglichen Erste-Hilfe-Set zusammenzustellen.

» Ein individuelles Erste Hilfe Set zusammenstellen

Auf dem Markt ist eine Vielzahl kommerzieller outdoor Erste-Hilfe-Sets erhältlich, leider taugen viele dieser Sets im besten Fall gerade so als Grundstock für die eigene Rucksack Apotheke. Oft sind diese Sets mehr aus  ökonomischen als praktischen Gesichtspunkten zusammengestellt (billig, niedrige Qualität und unbrauchbares/unwichtiges Füll-Zubehör) und eignen sich dadurch nur eingeschränkt für die reale outdoor Erste-Hilfe-Situation.
Anzuraten ist deshalb eine individuelle Zusammenstellung der Reise- und Notfall Apotheke. Zumindest sollte der Inhalt eines "fertig befüllt" gekauften Erste Hilfe Sets entsprechend aufgefüllt oder ausgetauscht und den eigenen Anforderungen und Bedürfnissen angepasst werden.

Vor allem sollte die Reiseapotheke / Erste-Hilfe-Ausrüstung auf die persönlichen Anfälligkeiten und Vorbelastungen abgestimmt werden. Wer etwa schnell zu Blasen neigt oder unter Allergien leidet, sollte hier spezielle Vorsorge treffen und das Notfall Set dazu passend erweitern.

Eine zusätzliche Anpassung des Erste Hilfe Sets an Reiseziel, -dauer, -art und Gruppengröße und sollte obligatorisch sein. Auf einer Expedition in den Dschungel lauern andere Gefahren als bei einem Ausflug in den Stadtpark. Auch hier muss eventuell eine größere Menge Erste-Hilfe-Material für eine längerfristige, von außen unabhängige, Versorgung und zusätzliche medizinische Versorgungsgüter wie spezielle Medikamente etc. mitgeführt werden.

Outdoor Erste-Hilfe Notfall Set für den Rucksack - Tatonka School Tasche mit InhaltTatonka First Aid School Tasche mit individuellem mini Erste-Hilfe-Set

Eine Auswahl bereits fertig zusammengestellter Erste Hilfe Sets für unterschiedliche Einsatzbreiche findet sich z.B. bei den Bergfreunden und Outdoortrends.

»
Outdoor Erste Hilfe Set - universale Grundausstattung

 


Erste Hilfe Set - Basis Ausstattung
  • Apotheke / Medikamente
    • persönliche Medikamente
    • Schmerzmittel (universal)
    • Brand-, Wund- und Heilsalbe
    • Hausmittel
Erste Hilfe Set - optionaler Inhalt
» Hinweise zum Outdoor Erste Hilfe Set

» Einsatzbereiche

Outdoor Erste-Hilfe Notfall Set für den Rucksack - miniBei dem hier vorgestellten Erste-Hilfe-Set handelt es sich nur um eine beispielhafte Grundausrüstung für den universellen Einsatz auf kurzen Touren und kleinen Ausflügen.
Der Schwerpunkt dieses Notfall Sets liegt auf niedrigem Gewicht und kleinem Packmaß, damit man es möglichst immer dabei haben kann.
Mit einem Packmaß von ca. 14 x 9 x 4 cm und etwa 100g ist das Erste Hilfe Set nicht zu groß für die Aufbewahrung in einer Oberschenkeltasche, Gürteltasche oder Handtasche.
Das Einsatzspektrum reicht bei diesem Set von Erster Hilfe bei kleinen Unfällen und Leiden unterwegs, bis zur Erstversorgung von Verletzungen in gemäßigten, nicht ganz zivilisationsfernen Regionen.

 » Modifikationen und Erweiterungen

Am oben genannten Inhalt eines Erste-Hilfe-Sets ändert sich grundsätzlich auch nichts bei ausgedehnteren Touren fernab professioneller medizinischer Hilfe, lediglich die Menge an Verbandsmaterial, Medikamenten etc. muss dann an eine längerfristige unabhängige Versorgung angepasst werden.
Bei besonderem Gefahrenpotential (gefährliche Gebiete, spezielle Krankheitserreger, risikoreiche Aktivitäten...), persönlicher Vorbelastung (chronische Leiden, Allergien...) oder auf sehr lange Dauer ausgelegte Reisen gilt das oben zur "individuellen Zusammenstellung" gesagte; ein ausführliches Beratungsgespräch mit einem Arzt zur Outdoor- und Reiseapotheke ist in diesen Fällen dringend anzuraten.

» Erste-Hilfe-Ausbildung vor Erste-Hilfe-Ausrüstung!

Die umfangreichste Erste-Hilfe-Ausrüstung im Rucksack bringt nur wenig, wenn man damit in einer Notsitutation nichts anzufangen weiß. Eine qualifizerte Erste-Hilfe-Ausrüstung, bei der Umgang mit Material und Stress eingeübt und trainiert wird, ist deshalb absolut zu empfehlen.
Sollte es zu einem Unfall kommen wird meist keine Zeit bleiben um lange über geeignete Maßnahmen nachzudenken, dann zahlt es sich aus, wenn die erforderlichen Handgriffe sofort sitzen.
Wer in einer größeren Gruppe unterwegs ist, sollte die medizinische Ausbildung und Verantwortung auch nicht nur einer einzigen Person auferlegen, denn auch diese Person kann verunglücken und dann selbst Hilfe benötigen. Zumindest Grundkenntnisse in Erster Hilfe sollten also bei allen Outdoor-Enthusiasten vorhanden sein.

 » Outdoor Erste-Hilfe-Set und Rucksack Apotheke im Detail


Die Basis Ausstattung 

»
Erste Hilfe Tasche

Outdoor Erste-Hilfe Notfall Set für den Rucksack - Tatonka universal Tasche mit InhaltEine gute Erste Hilfe Tasche sollte in der Größe auf die Ausrüstung abgestimmt sein. Hilfreich sind auch Steckfächer, Gummischlaufen und/oder andere Unterteilungen, sowie ein umlaufender Reißverschluss zum vollständigen Öffnen der Tasche. So behält man den Überblick und hat schnellen Zugriff auf den Inhalt, ohne lange nach einzelnen Erste Hilfe Materialien suchen zu müssen. Eine auffällige Farbe und eine sinnvolle Kennzeichnung als Erste-Hilfe-Set erleichtern das schnelle Auffinden im Rucksack, auch durch einen Fremden.

 Die Materialqualität und Robustheit sollte natürlich ausreichend und entsprechend hochwertig sein. Praktisch ist eine Befestigungsmöglichkeit der Erste Hilfe Tasche für diverse Transportoptionen oder zur Sicherung gegen Verlust (Gurtschlaufen, Karabiner, Öse...etc.).
Eine wasserdichte Erste-Hilfe-Tasche ist sehr vorteilhaft, jedoch kann der Inhalt auch einzeln durch z.B. Ziploc Beutel vor Wasser und Schmutz geschützt werden. Das separate Verpacken in solchen verschieden großen wasserdichten Beuteln erleichtert zudem auch die Übersicht beim schnellen Heraussuchen der richtigen Notfall Materialien.

Falls die Erste Hilfe Tasche sich nicht ohnehin umlaufend öffnen lässt, ist eine separat herausnehmbare Innentasche sehr praktisch. Eine individuelle, herausnehmbare Rolltasche kann man sich leicht selber nähen.
Wer weniger auf Gewicht und Packmaß achten muss, kann eventuell auch über einen robusten Hartschalenkoffer nachdenken.

Hier einige Beispiele für kleine Erste Hilfe Taschen
:
» Wundschnellverband / Pflaster

Outdoor PflasterPflaster eigenen sich zur Versorgung von kleinen Wunden und Verletzungen, als Behelfstape oder begrenzt auch zum auch zum Abpolstern von besonders belasteten Hautpartien. Sie sollten über gute Klebekraft verfügen und für den Outdoor-Einsatz optimaler weise wasserfest sein.
An besonders "schwierigen" Stellen (Gelenke, Finger etc.) lässt sich der Halt durch zusätzliches Tape verbessern, oder packt gleich ein paar spezielle Fingerverbände mit ins Erste Hilfe Set.

Entgegen landläufiger Meinungen heilen kleine Wunden an der Luft nicht besser oder schneller als unter einem Pflaster, im Gegenteil, es besteht dabei sogar erhöhte Infektionsgefahr.

Vorkonfektionierte Pflaster
(Pflasterstrips) lassen sich oft nur begrenzt einsetzen, flexibler sind Pflasterrollen/-bänder (min. 5cm Breite), die man selbst auf die gewünschte Größe zuschneiden kann. Das ist schnell gemacht und ermöglicht auch die Versorgung etwas größerer Wunden.

Neben den "normalen" Pflastern gibt es noch eine große Anzahl verschiedener Spezialpflaster mit speziellen Auflagen und Eigenschaften. Eine große und gute Auswahl findet sich im Hansaplast Sortiment. Für Wanderer hervorzuheben sind noch spezielle Blasenpflaster zur Vorbeugung und Unterstützung der schnellen Heilung, wie bspw. die nicht ganz günstigen, aber von vielen geschätzten Compeed Blasen Pflaster.

» Verbandpäckchen

Verbandpäckchen Erste Hilfe
Verbandpäckchen vereinen Wundauflage und Binde und ermöglichen so eine unkomplizierte und direkte Wundversorgung. Sie sind damit das Mittel der Wahl für eine schnelle Erstversorgung von Verletzungen.
Es sollte auf einen unbeschädigte und robuste Verpackung geachtet werden, damit der Inhalt steril bleibt (auch das Verfalldatum beachten!)
Aus dem militärischen Ausrüstungsbereich finden sich oft gute und robust (wasserdicht) verpackte Verbandpäckchen in brauchbarer Größe.

» Kompressen

Kompressen dienen als Wundauflage, die Blut und Wundsekret aufnimmt und das Eindringen von Fremdkörpern in die Wunde verhindert. Auch hier gibt es auf verschiedene Verletzungen und Wunden abgestimmte Varianten. Alle sollten jedoch möglichst steril verpackt sein. Bei größeren Reisen sollten Wundauflagen in ausreichender Anzahl mitgenommen werden, um eventuelle Verbandswechsel auch über einen längeren Zeitraum zu ermöglichen.

»
elastische Binde

Neben der Umwicklung von Kompressen (klassischer Verband) können elastische Binden auch zur Fixierung und Stabilisierung von verletzten Gelenken, Gliedmaßen etc. verwendet werden. Desweiteren eigenen sie sich eingepackt und zusammengerollt auch gut als Auflage für einen Druckverband. Im Gegensatz zu den Wundauflagen können elastische Binden bei Verbandswechsel durchaus mehrmals verwendet werden.

 » Wunddesinfektionsmittel

Erste Hilfe Set Desinfektionsmittel
Die Wunddesinfektion ist wichtig um einer Sepsis (Blutvergiftung) und Entzündungen vorzubeugen und gehört in jedes Erste Hilfe Set. Auch, wenn der gesunde Körper normalerweise dazu in der Lage ist auch ohne zusätzliche Mittel Infektionen abzuwehren, kann dies bei starker Erschöpfung und größeren Wunden erschwert werden.
Gerade Outdoor kommt man schnell mit viel Schmutz und sonstigen Infektionsherden in Kontakt, so dass auf eine sorgfältige Desinfektion nicht verzichtet werden sollte.

Praktisch in der Anwendung sind kleine Pump-Sprühfläschschen mit Flüssiglösungen, bspw. Kodan, Octenisept oder pharmaCUR Wundspray, welches zusätzlich noch die Wundheilung beschleunigt. Die Mittel lassen sich dadurch leicht und weitgehend schmerzfrei anwenden, da die Wunde nicht berührt werden muss. Vorsicht ist jedoch bei allergischen Reaktionen geboten, auch wenn mit guter Verträglichkeit geworben wird, sollte man Desinfektionsmittel nicht völlig unreflektiert einsetzen.

Bedingt geeignet
zur Wunddesinfektion sind auch Desinfektionstücher. Größere und tiefere Wunden lassen sich damit jedoch nicht desinfizieren. Für das kompakte Notfall Erste-Hilfe-Set aber behelfsmäßig eine Option.

 » Alkoholtupfer / Desinfektionstücher

Alkoholtupfer und Desinfektionstücher eignen sich nur bedingt zur Wunddesinfektion s.o.; der Anwendungsbereich liegt eher im Bereich der Reinigung des Wundumfeldes, der Ausrüstung (bspw. Pinzette oder Stecknadel) und allem was sonst noch sauber werden muss.
Damit gesäuberte Hautstellen ermöglichen Pflastern oder Tape (z.B. zur Blasen Vorbeugung) einen wesentlich besseren halt.

» Wundnahtstreifen

Wundnahtstreifen
Eigentlich gar nicht so sehr ein Mittel der Ersten Hilfe, sondern eher zur sinnvollen Weiterbehandlung welche bei längerer Abwesenheit von Zivilisation und professioneller medizinischer Versorgung dennoch hilfreich und sinnvoll sein kann. Mit Wundnahtstreifen lässt sich eine gereinigte, desinfizierte und getrocknete Schnittwunde an Stelle des Nähens versorgen und Narbenbildung eventuell reduzieren.

 » Tuch

Ein Dreickeckstuch oder großes Stofftaschentuch eignet sich für eine Vielzahl von Anwendungen: Ob Fixierung, Stütze, Notverband, Abbinden oder Transporthilfe - der Einsatzbereich ist nahezu unbegrenzt. Im Notfall lässt sich auch mit Kleidung oder einem Halstuch behelfen.

» Befestigungsmaterial

Zur Befestigung und Sicherung eines Verbands oder Pflastern an bewegungsintensiven Stellen unverzichtbar. Notfalls lassen sich damit auch Behelfspflaster improvisieren, Gelenke und Gliedmaßen fixieren oder belastete Körperstellen abpolstern.
Neben speziellen medizinischen Produkten lässt sich auch mit normalem Tape (Gaffer, Duct etc.) aushelfen.

» Handschuhe

Handschuhe aus Nitril sind robuster und hautfreundlicher (für Allergiker geeignet) als Modelle aus Vinyl oder Latex und daher zu bevorzugen. Sie schützen den Helfer als auch den Verletzten vor möglichen Infektionen. Außerdem lässt sich einen eventuelle "Ekelschwelle" für den Helfer damit leichter überwinden.

» Sonstiges Erste Hilfe Set Material

Erste Hilfe Ratgeber / Spickzettel

Auch wenn das gesamte Erste-Hilfe-Notfall-Wissen im Kopf abgespeichert sein sollte, schadet es nicht für Stresssituationen einen kleinen Spickzettel mit den wichtigsten Erste-Hilfe-Anweisungen dabei zu haben.

Entweder stellt man sich hier selbst ein kleines Infoheftchen zusammen oder greift auf verschiedene kommerzielle Produkte zurück. Empfehlenswert ist z.B. der Infoflip Erste Hilfe im Schokotafel Format, der auch bei der Bundeswehr zur Sanitätsgrundausrüstung gehört (siehe auch Taschenkarte "Erste Hilfe").
Alternativ gibt es auch noch eine digitale Software Variante für das Handy.
Nützlich kann auch eine Notfallkarte mit wichtigen Telefonnummern und persönlichen medizinischen Informationen sein.
Zusätzlich sollte man einen Stift und etwas Papier für wichtige Notizen dabei haben, um eventuell Gesundheitszustand, Verschlechterungen, Symptome oder Behandlungsschritte schriftlich festzuhalten.

Erste Hilfe Zubehör und SwissCard Lite

Victorinox SwissCard Lite - fürs Erste-Hilfe-SetDie Victorinox SwissCard Lite vereint bei geringem Gewicht (25g) auf engstem Raum einige nützliche Zubehörteile für das Outdoor Erste-Hilfe-Set: Die Schere dient dem Zuschneiden von Pflastern, Verbandsmaterial und Tape, sowie sonstigen kleinen Schneidaufgaben. Kleidung wird man damit jedoch nicht aufschneiden können.
Die Klinge kann hier als Skalpellersatz ebenfalls nützlich sein.

Lupe, Pinzette und Stecknadel helfen Splitter aus der Haut zu entfernen. Letztgenannte lassen sich behelfsmäßig mit einem Alkoholpad desinfizieren; das empfiehlt sich auch, wenn man Blasen mit Hilfe der Stecknadel oder mini-Klinge aufsticht/aufschneidet.
Eine spezielle Zeckenzange/schlinge oder Zeckenkarte ist oft nicht nötig, auch hier genügt die kleine Pinzette der SwissCard.
Für wichtige Notizen s.o. ist ein kleiner Kugelschreiber vorhanden.

Normalerweise ist eine kleine Taschenlampe im Erste Hilfe Set nicht verkehrt, schließlich kann ein Unfall ja auch bei Dunkelheit passieren oder man benötigt einfach mehr Licht für eine bessere Ausleuchtung der Arbeitsfläche. Hier kann die aktuelle SwissCard leider nicht überzeugen, die kleine rote LED ist dazu relativ unbrauchbar. Jedoch ist eine Version mit weißer LED schon in Aussicht.
Alternativ bietet sich auch die sehr leichte LED Stirnlampe Petzl E+Lite an, mit ihren diversen Leuchtmodi eignet sich sich zusätzlich auch als Signal- und Positionslicht und vor allem hat man beide Hände für die Versorgung des Verletzten frei (die SwissCard müsste man dagegen mit dem Mund halten...).

Die Funktionen und Werkzeuge der SwissCard sind natürlich auch in vielen anderen Outdoor Situationen bei Reise und Ausflug sehr nützlich, so dass sie nicht unbedingt nur in der Erste-Hilfe-Tasche gut aufbewahrt ist. Klar ist allerdings auch, dass die Werkzeuge der Victorinox SiwssCard natürlich nur ein Kompromiss im Bezug auf Packmaß und Gewicht ist. Wer viel Platz im Erste-Hilfe-Set oder spezielle Anforderungen hat, kann natürlich auch auf spezialisierte Standardausrüstung zurückgreifen.

 » Apotheke / Medikamente

Medikamente sind bei der Zusammenstellung eines Outdoor Erste Hilfe Sets ein "heikles" Thema, zumal hier verschiedene persönliche Bedürfnisse und Verträglichkeiten, Nebenwirkungen etc. eine große Rolle spielen.
Generell dürfen Medikamente rechtlich nur von examinierten Fachkräften verabreicht werden, so dass man mit einer Medikamentengabe in einer Erste-Hilfe-Situation vorsichtig sein sollte, bzw. ganz unterlassen sollte!
Nicht nur deswegen gilt bei Mitnahme, Einnahme und evtl. auch Vergabe von Medikamente um so mehr der Leitsatz: "Fragen sie ihren Arzt oder Apotheker"!

Ich möchte nur der Vollständigkeit halber kurz auf verschiedene allgemeine Mittel mit ihren Vor- und Nachteilen eingehen, deren Mitnahme auf Outdoor Touren eventuell sinnvoll sein könnte:

Für alle Medikamente gilt deren Nebenwirkungen und Verträglichkeiten zu beachten. Besonders wenn man nach der Einnahme weitermarschieren möchte, können Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schwindel, Unkonzentriertheit etc. fatale Folgen haben. Man sollte sich hier notwendige Pausen und Ruhephasen gönnen oder sonst doch lieber auf die Einnahme Verzichten.

Weiterhin ist es sinnvoll alle notwendigen Impfungen zeitig vor Reiseantritt vorgenommen zu haben. Das gilt nicht nur hinsichtlich Regionsabhängiger Spezialimpfungen, sondern auch hinsichtlich schnell vergessener allgemeinen Impfungen wie bspw. Tetanus. Auf ausreichende Mitnahme persönlicher Medikamente zur Behandlung von Allergien, Asthma, Diabetes etc. sollte natürlich nicht verzichtet werden.

Schmerzmittel

Die Mitnahme eines Schmerzmittels im Outdoor Erste Hilfe Set erachte ich allgemein als sinnvoll, zumal die meisten universal einsetzbar (Kopfschmerz, Verletzungen, Fieber...) sind und gegen viele Beschwerden wirkungsvoll helfen. Allerdings würde ich von einem groß angelegten Sortiment verschiedener Dosierungen absehen und gleich ein mittel- bis hochdosiertes Medikament mitnehmen. Kleine Schmerzen kann man normalerweise auch ohne Medikamente aushalten, so dass man auf eine Einnahme mit eventuellen Nebenwirkungen verzichten kann. Für starke Schmerzen sollte man aber auf jeden Fall etwas dabei haben.
Bekannte Vertreter mit verschiedenen Vor- und Nachteilen sind hier: Paracetamol, Ibuprofen oder Aspirin.

Durchfall
Medikamente gegen Brechreiz und Durchfall helfen in der Regel nicht gegen die Ursache, sondern bekämpfen nur ihre Auswirkungen. Eine Medikamenteneinnahme kann deswegen sogar kontraproduktiv sein, da der Körper die schädlichen Infektionsstoffe ja gerade ausscheiden will. Meist werden die Medikamente auch selbst nach kurzer Zeit wieder ausgeschieden.
Sinnvoll kann eine Einnahme von Durchfall Medikamenten aber zur Überwindung eines kurzen Zeitraums (um mehr oder weniger unbeschwert Zivilisation/Stadt/Arzt erreichen) oder zur Behandlung eines akuten Schocks sein. Bsp. Medikament Loperamid.

Brandsalbe

Nützlich kann eine Salbe gegen Brandwunden (Sonnenbrand, Kocherverbrennungen...) und Mückenstiche sein, die angenehm kühlt. Bspw. Fenistil

Wundsalbe

Sollte im Desinfektionsmittel kein entsprechender Wirkstoff vorhanden sein, kann auch die Mitnahme einer zusätzliche Wundsalbe im outdoor Erste Hilfe Set sinnvoll sein; auch zur Behandlung von Blasen oder aufgescheuerten Hautstellen.

Hausmittel und co.
Ballistol HausmittelFür kleinere Leiden müssen es nicht unbedingt immer die chemische Keulen sein: Gegen Durstgefühl und schlechten Geschmack helfen Bonbons oder Traubenzucker; das liefert kurzfristig Energie und hebt die Moral. Bonbons sind außerdem gut gegen Halsschmerzen, genauso wie das Gurgeln mit Salzwasser oder warmen Kräutertee.
Gegen Fieber helfen kalte kalte und warme Wickel, bei Durchfall für ausreichend Flüssigkeits- und Mineralienaufnahme (u.a.Salz) sorgen.
Bei Bauchschmerzen hilft warmer Tee und eine Wärmflasche (Tipp: Eine Temperatbeständige Trinkflasche in Kleidung eingeschlagen als Wärmflasche nutzen!)
Hirschtalg ist schon längst kein Geheimtipp mehr zur Behandlung/Vorbeugung von Druckstellen und Blasen.
Bewährt haben sich auch einige Haus- und Universalmittel aus der Naturmedizin. Beispielhaft seien hier Neo Ballistol und Teebaumöl genannt. Deren vollständiges Anwendungsspektrum aufzuzählen würde an dieser Stelle zu weit führen, zumal einige Wirkungsweisen auch nicht unumstritten sind. Man sollte sie jedoch nicht vorschnell verurteilen.
Generell sollte man vor allem auf anstrengenden outdoor Reisen für ausreichend Flüssigkeitsaufnahme, gesunde Ernährung und genug Schlaf sorgen, nicht nur erst dann, wenn es einem schon sehr schlecht geht.

optionale Erste Hilfe Ausstattung

Rettungsdecke

Die Rettungsdecke könnte man guten Gewissens auch ins Erste Hilfe Basis-Set packen, ihr Anwendungsbereich ist gerade outdoor extrem vielseitig: Wärme- und Kälteschutz, Notunterkunft, Transporthilfe, Unterlegplane.... Da man beim Wandern mit Rucksack aber meist eh einen Schlafsack, Biwaksack etc. dabei hat, ist sie nicht unbedingt zusätzlich notwendig.
Das muss letztlich jeder für sich entscheiden.

Beatmungsmaske

Eine Beatmungsmaske wird wohl nur bei einem Unfall fremder Personen zum Einsatz kommen, bei mitreisenden Freunden wird man wohl keine Hemmungen haben auch ohne solche Maske Atemspenden zu leisten.
Davon mal ganz abgesehen, dass die Beatmung im Gegensatz zur Herz-Druck-Massage nur eine untergeordnete Rolle einnimmt. Sehr kompakt, auch für den Schlüsselbund geeignet ist der Ambu LifeKey.

Fieberthermometer

Für genaue Diagnostik ist ein Thermometer im Outdoor-Erste-Hilfe-Set sicherlich sinnvoll, jedoch wird man unterwegs auch ohne erhöhte Temperatur und deren Auswirkungen bemerken. Was bringt es zwar eine kritische Körpertemperatur von 40,5 °C genau bestimmen können, den nächste Arzt in vielen Kilometern Entfernung aber nicht erreichen zu können.

Kleiderschere
Bei dicker Kleidung stößt die SwissCard Schere an ihre Leistungsgrenze. Hier ist eine gute Schere mit abgerundeter Spitze nötig. Oft lässt sich die Kleidung nach einem kleinen Einschnitt/-stich auch leicht weiter an den Kanten aufreißen, so dass eine Schere überflüssig wird.

Schienmaterial

Bei einem Knochenbruch richtig Schienen will gelernt sein, wer nicht weiß wie es funktioniert sollte besser komplett die Finger davon lassen. Im Notfall lässt sich outdoor auch mit einer zusammengerollten Isomatte, Trekkingstöcken, Zeltgestänge oder Ästen ein Bruch schienen oder zumindest eine Körperteil provisorisch ruhig stellen. Professioneller geht das z.B. mit dem SAM SPLINT.

Spezialausrüstung: Spritzen, Infusionsbesteck, Tourniquet, Zahnreperaturset...

Der Umgang mit solcher "Spezialausrüstung" erfordert besondere Ausbildung und Kenntnisse und gehört nicht wirklich ins klassische Erste-Hilfe-Paket für Rucksack Reisende. Deshalb soll diese Ausrüstung hier nicht ausführlicher erläutert werden.
Vor leichtfertiger Anwendung und Experimenten möchte ich jedoch unmissverständlich warnen!

 » Ergänzende Informationen zur Ersten Hilfe

Outdoor Erste Hilfe SetZum Schluss kann ich nur noch einmal eindringlich darauf hinweisen, dass eine qualifizierte Erste Hilfe Ausbildung noch vor der Ausrüstung steht. Ein zusätzliches Gespräch mit einem Arzt ist ebenfalls sinnvoll.

Bei einem schwereren Unfall sollte man vor der Erstversorgung nicht das Absetzen eines Notrufes versäumen ("Phone first!"). Deshalb ist es nützlich ein leistungsstarkes Satelliten-, Mobiltelefon oder Funkgerät dabei zu haben.
Ebenfalls kann ein Signallicht (Lampe, Fackel, Leuchtrakete...) oder eine lautstarke Signalpfeife (z.B. ACME Tornado Slimline) sehr praktisch sein um in näherer Umgebung auf sich aufmerksam zu machen.
Streng genommen gehört also eigentlich auch ein passendes Kommunikationsmittel mit ins Outdoor Erste-Hilfe-Set.
Die Kommunikation kann jedoch durch Sprachbarrieren zusätzlich erschwert werden, eine kleine Hilfe können da vorher ausgedruckte Übersichtskarten mit den wichtigsten medizinischen Begriffen in jeweiliger Landessprache sein.
Die AOK bietet auf ihrer Website einige solcher medizinischen Sprachführer mit wichtigen Begriffen als PDF an.

Erste-Hilfe Material mit Verfallsdatum sollte regelmäßig auf Haltbarkeit kontrolliert und gegebenenfalls ausgetauscht werden. Hinsichtlich der potentiellen Verwendungsdauer gibt es teilweise erheblich Unterschiede, es lohnt sich also beim Kauf schon darauf zu achten.

Im Gegensatz zu anderer Ausrüstung, hoffe ich das Outdoor-Erste-Hilfe-Set gar nicht anrühren zu müssen und hoffe sehr, dass auch ihr das nicht braucht.


» Links und Quellen zum Outdoor Erste Hilfe Set
Dieser Blog Artikel zum Outdoor-Erste-Hilfe-Set  kann qualifizierte Ausbildung und ärztliche Beratung nicht ersetzen! Nutzt diesen Artikel vielmehr als Anregung!

Outdoor Erste Hilfe

5 Kommentare:

  1. Ein schöner und umfangreicher Artikel. Hab auf meiner Homepage auch etwas zu diesem Thema veröffentlicht und wurde dann durch einen Leser auf folgende Webseite aufmerksam gemacht:
    http://www.treibel-bergmed.de/
    Hier informiert Dr. W. Treibel ausführlich über 1.Hilfe, gibt Tips und hat eine Art Baukastensystem für erste Hilfe-Ausrüstungen zusammengestellt. So kann man sich je nach Tourencharakter und Tourenlänge das richtige kombinieren. Lohnt auf alle Fälle mal reinzuschauen.

    Dein Tip mit "firstai.de" hat bei mir auf der Arbeit mittlerweile einige Anhänger gefunden. Sogar unsere Sanitäter zeigten sich begeistert.

    Viele Grüße,
    Basti

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  2. Hi Basti,
    über die Seite von Dr. Treibel bin ich auch schon beim Stöbern auf deiner Beutel(l)tierseite gestoßen, hat auch schon den Weg in meine Favoriten gefunden ;-)
    Werde den Link auch hier mal einbauen...

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  3. Hi. der beitrag hat mir gefallen. ich plane e.outdoor kurse zukünftlich und würde mich über alles an infos freuen. lg dieter reidie5@web.de

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  4. Ich finde diesen Beitrag sehr gelungen! Als Pfleger in einer Notaufnahme und Rettungsdienstmitarbeiter kann ich die oben genannten Ausführungen nur gut heissen.
    Man sollte sich vor grösseren Touren, vor Allem wenn sie sich von medizinischer Infrastruktur entfernen, genau mit diesem Thema befassen. Davon abgesehen kann das richtige Verhalten bei Notfällen auch im Stadtpark oder im Strassenverkehr Leben retten.
    Einen plötzlichen Herzstillstand kann auch ein anscheinend gesunder Mensch erleiden. Wenn sofort mit einer effektiven Reanimation (Wiederbelebung) begonnen wird, steigert das die Überlebenschancen des Betroffenen um ein Vielfaches.

    Es gibt inzwischen auch einige Apps zu diesem Thema, diese sind sicher hilfreich, können einen Erste-Hilfe Kurs aber nicht ersetzen.

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  5. Ich möchte nur darauf hinweisen, bitte auch das Notfallset regelmäßig auszutauschen. Auch die Teile laufen ab (Datum ist aufgedruckt) und sollten dann nicht mehr verwendet werden. Sie sind nicht so irre teuer und im Notfall echt hilfreich. Bitte die paar Euro nicht am falschen Ende sparen und immer mal wieder kontrollieren und ggf. ein neues Päckchen kaufen.

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