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Etappe 2, Kemptner Hütte – Memminger Hütte 
 
Von der Kemptner Hütte aus führt ein angenehm zu laufender Weg hinauf zum Mädelejoch und damit zur deutsch-österreichischen Grenze. Diese ist unspektakulärer als man es sich erhofft, denn es steht dort lediglich ein einfaches Schild. Und dies ist auch noch angerostet, verbeult und insgesamt in desolatem Zustand. Doch das Tal unmittelbar hinter der Grenze hält bereits ein wunderschönes Alpenpanorama bereit.

Man trifft beim Abstieg öfter auf kleine Alpensalamander; dabei muss man besonders aufpassen, denn morgens sind sie einfach noch zu träge, um sich schnell vor Wanderern in Sicherheit zu bringen. Also Wanderer, Obacht ob der kleinen Wegelagerer!

Der E5 führt einen immer weiter ins Tal hinab bis Holzgau. Aus niedrigen Büschen werden wieder ganze Wälder, in denen sich allerlei Getier verstecken kann und so kann man durchaus in den Genuss kommen Gemsen zu erblicken, die schmausend einen Steilhang erklimmen.

Doch bevor man in Holzgau ankommt, passiert man noch den Simms-Wasserfall. Durch die stark gewundene Wasserführung wird dieser Wasserfall zu einem besonderen Naturschauspiel – das auch gerne von Tagesausflüglern angesteuert wird. Woran man diese erkennt? Sie riechen noch so verdammt gut nach frischer Wäsche!

In Holzgau selbst kann man sich entweder gemütlich in ein Taxi des Unternehmens Feuerstein setzen und auf der Straße abenteuerlichen Wegen bis zur Materialseilbahn der Memminger Hütte fahren (Abfahrtszeiten sind am Gasthof Bären in Holzgau angeschlagen bzw. die Telefonnummer auf dem Schild anrufen) oder man wandert auch tapfer diese 19km lange Teilstück auf dem Weg zur Memminger Hütte. Leider verläuft ein großer Teil der Strecke auf Asphalt und entspricht lediglich dem Verlauf der Straße. Doch landschaftlich ist der Weg durch das Lechtal sehr ansprechend; und auch, wenn man Richtung Materialseilbahn abbiegt, bietet sich dem suchenden Blick des Wanderers der bald immer tiefer gelegene Parseierbach und man gewinnt fast unmerklich gute 400 Höhenmeter.


Das Herausfordernde an dieser Etappe sind eben jene 19km. Denn der Wanderer, der schon von der Kemptner Hütte nach Holzgau abstieg, muss nach diesem Asphalt-Abschnitt auch noch knappe 800 Höhenmeter bis zum Tagesziel Memminger Hütte zurücklegen (laut Wanderführer in zwei Stunden machbar).

Manche geben ihre Rucksäcke an der Materialseilbahn auf und stapfen lediglich mit einem Erfrischungsgetränk ausgestattet fröhlich den Berg hinauf. Wer bis hierhin bereits gelaufen ist, hat sich das sicher verdient, wer die abenteuerliche Achterbahnfahrt Taxifahrt mitgemacht hat, aber vielleicht auch ;-)
Manche lieben ihre Rucksäcke aber zu sehr - außerdem sind sie doch nicht so schwer... - und behalten sie auf, so dass sie sogar von allen Rentnern überholt werden. Aber darauf kommt es ja nicht an, der Weg ist das Ziel und dieser ist steil und gemein in der Mittagssonne...

Zurückblickend war der Aufstieg ab der Materialseilbahn das gefühlt blödeste Stück der gesamten Alpenüberquerung. Das lag aber wohl hauptsächlich am Wetter. Der Weg war rutschig, vom starken Regen an den Tagen zuvor; man versank an manchen Stellen wirklich im Matsch. Wo es vor wenigen Stunden noch kräftig geschüttet hatte, brannte dagegen die Sonne nun unerbittlich auf den mit jedem Meter nach oben immer spärlicher bewachsenem Weg. Irgendwie bot sich zudem auch einfach keine schöne Rastmöglichkeit, bzw. war schon den voraus "eilenden" Wanderern belegt.

Erst nach etwa einer Stunde Aufstieg öffnet sich der Weg zu einer breiten Wiese und das Wanderherz atmete endlich auf. Der Weg steigt nun sanfter an, biegt sich über die Wiese und hüpft über Bäche, sodass den Wanderern überall gute steinerne Sitzmöglichkeiten geboten werden und die inzwischen fast leere Wasserflasche wieder aufgefüllt werden kann.

Von jener schönen Wiese aus will dann noch ein Abschnitt zurückgelegt werden, der etwa 1 Std. reine Gehzeit bis zur auf 2242m hoch gelegenen Memminger Hütte erfordert. Doch es lohnt sich, denn der Ausblick ist fantastisch und der Kessel, in dem die Memminger Hütte liegt, entführt einen beim richtigen Licht in eine fast andere Welt.

Nicht mehr wei bis zur Memminger Hütte, aber zu schön um hier vorbei zu hetzen...

Wer noch Puste in den Backen hat, kann auch den naheliegenden Hausberg der Memminger Hütte, den Seekogel (2412m), besteigen und dort mit Blick aufs Alpenpanorama den Abend ausklingen lassen.

Alle anderen finden sich in der Memminger Hütte ein, die leckere Speisen und geräumige Bettenlager bereithält – geräumig allderdings nicht auf das einzelne nur ca. 70 cm breite Lager bezogen!, sondern auf die Raumgröße. Entsprechend unruhig wird es nachts, wenn sich jemand der ca. 110 potentiellen Lagerbewohnern entschließt, auf Toilette zu müssen. Es knarzt und quietscht; Lampe an, Lampe aus...der Herdentrieb setzt ein ...gefühlte 100 Wanderer haben eine schwache Blase oder zu viel Gipfelbier getrunken und müssen auch den letzten noch Schlafenden wachquietschen.

Variante: Übernachtung in Holzgau/Bach
Alternativ zur - ohne Taxifahrt - doch recht umfangreichen E5 Etappe von der Kemptener bis zur Memminger Hütte kann man die Tour auch um einen Tag verlängern und sich in Holzgau oder Bach eine Bleibe suchen. Zwei Etappen zu je etwa 10 km sind dann trotz vieler Höhenmeter gut zu bewältigen und es bleibt dann immer Zeit, die Schönheit des Lechtals zu bewundern.

Wer keine zusätzliche Etappe einschieben möchte, aber die Strecke trotzdem schreckt, kürzt mit dem bereits angesprochenem Taxi-Bus von Holzgau bis zur Materialseilbahn ab.

 Infobox

Etappe 2: Kemptener Hütte (1846m) - Memminger Hütte (2242m)

Kemptner Hütte - österreichische Grenze - Holzgau (Taxi Option) - Madautal - Materialseilbahn - Memminger Hütte

Länge: ca. 25 km
Gehzeit: ca. 8-9h (Taxifahrt verkürzt den Weg um 2-3h)
Höhenmeter: ca. + 1100m / - 900m
Höhenprofil
Etappe 2 / 13

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