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Welcher outdoor Wasserfilter ist der richtige?

Im Zuge meiner Überlegungen zur Wasseraufbereitung auf Tour war der kürzlich erworbene Steripen natürlich nicht der einzige Kandidat, denn am Markt befindet sich inzwischen eine fast unüberschaubare Vielzahl unterschiedlicher Wasserfilter und Wasseraufbereitungssysteme die es vor der Entscheidung erst einmal zu vergleichen gilt.

 

Welcher Wasserfilter letztendlich empfehlenswert ist hängt - wie fast immer - vom angestrebten Einsatzzweck und den individuellen Anforderungen ab. Einzelne Kriterien sind hier, neben den auf Trekking Touren üblichen Anforderungen an möglichst niedrigem Gewicht und Packmaß, zum Beispiel Reiseregion, Gruppengröße und Nutzungsdauer bzw. -Frequenz sowie auch Lebensdauer, Ersatzteilversorgung und natürlich der Preis.

Unterschiedliche Anforderungen erfordern unterschiedliche Wasserfilter

Wer täglich über einen längeren Zeitraum größere Mengen Wasser, z.B. für eine mehrköpfige Reisegruppe, filtern muss, wird demnach wesentlich mehr Wert auf Bedienkomfort, große Filterleistung und Lebensdauer des Filterelements legen, als jemand, der den Filter nur als Sicherheitsreserve dabei hat oder einfach dem Leitungswasser in fragwürdigen Hotels misstraut.

» Verschmutzungsszenarien

Ist hier ein Filter notwendig??
Wesentlich für die Entscheidungsfindung ist aber vor allem, welche Wasserqualität und Wasserquellen unterwegs vorzufinden sind. Dabei stößt man in unterschiedlicher Kombination auf folgende typische Szenarien der Wasserverschmutzung:
  • anorganische und organische Schwebestoffe und Partikel wie z.B. Schlamm, Algen, Sporen etc. trüben das Wasser und beeinflussen den Geschmack und Geruch negativ (Wasser aus alten Brunnen, Tümpeln, Pfützen und langsam fließenden Gewässern)
  • oft ist solches Wasser dann auch mit Bakterien, Protozoen (z.B. Giardia) und anderen Mikroorganismen durchsetzt. Solche Keimbelastung kommt aber auch bei scheinbar klarem Wasser vor, z.B. wenn tierische Ausscheidungen und Hinterlassenschaften in der Nähe der scheinbar sauberen Entnahmestelle ins Wasser gelangt sind oder auch in Ländern mit geringem Trinkwasserstandard, den der verwöhnte europäische Magen nur selten verträgt.  
  • Besonders tückisch sind Viren im Wasser, denen mit vielen konventionellen Filtern kaum beizukommen ist.
  • Außerdem können chemische Verunreinigungen (meist verursacht durch in der Nähe befindlicher Industrie und Landwirtschaft) die Gesundheit deutlich beeinträchtigen.
So gut wie kein ein auf dem Markt erhältlicher Wasserfilter kann alle in Frage kommenden Belastungen des Wassers für sich alleine beseitigen. Je nach zu erwartendem Szenario muss man sich demnach für ein passendes Filtersystem oder eine entsprechende Kombination aus verschiedenen Wasserfiltern entscheiden. Alle Filtertypen haben dabei spezifische Vor- und Nachteile.

» Filtertypen und Arten der Wasseraufbereitung im Vergleich

Vor- und Nachteile verschiedener Filtersysteme

Die Angaben zu den oben aufgelisteten verschiedenen Filtertypen geben nur einen wirklich groben Überblick über die Vor- und Nachteile verschiedener Filter- bzw. Aufbereitungsmöglichkeiten und haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Gerade bei sehr speziellen Wasserfiltern und Kombi-Geräten kann die Verteilung der Eigenschaften durchaus deutlich abweichen.

» Verschiedene Wasserfilter im direkten Vergleich



Hier gibt es die komplette Wasserfilter Übersicht auch im Vollbild zu sehen. Alternativ lässt sich die komplette Liste auch als Google Dokument herunterladen und weiter bearbeiten.

» Der richtige Wasserfilter für jeden Typ

universell einsetzbare Klassiker: Pump- und Gravitationsfilter

Robuste Pump- und Gravitationsfilter mit teilweise mehreren optionalen Filterstufen (z.B. Katadyn Vario) aus grobem Vorfilter, Glasfaser, Keramikkerze und manchmal auch Aktivkohle sind wohl die am weitesten verbreiteten Wasserfilter am Markt und überzeugen durch einfache Handhabung und hohe Filterleistungen. Diese ist jedoch stark abhängig von der Wasserqualität und dem Aufbau des konkreten Filter Modells. Grundsätzlich ist damit aber auch die Trinkbarmachung von trübem Wasser möglich.

Glasfaserfilter wie der MSR AutoFlow oder Katadyn Hiker sind relativ günstig und leicht, aber nicht ganz so Leistungsstark und fein wie bessere Keramikfilter, die teilweise mit antibakteriellen Beschichtungen versehen sind (z.B. Katadyn Combi) und sich nach längerer Benutzung im Bedarfsfall auch reinigen lassen. So lassen sich auch problemlos mehrere tausend Liter Wasser filtern.
Ist die Filterkerze jedoch einmal verschlissen, sind Ersatzteile meist teuer.

Wasserfilter Modelle mit zusätzlichem Kohlefilter (z.B. MSR Mini WorksEX oder Katadyn Vario) sind vor allem in der Lage den Geschmack und Geruch des Wassers deutlich zu verbessern, sowie teilweise auch chemische Belastungen des Wasser zu reduzieren. Sie müssen jedoch meist schon nach nur wenigen hundert Litern gefiltertem Wasser ausgetauscht werden.

Innovativ: Aufbereitung mit UV Licht

Im städtischen Wasserwerk altbekannt, aber im Outdoor und Trekking Bereich noch relativ neu ist die Wasserentkeimung durch UV-Licht. Genau genommen UV-C Strahlung, die im Gegensatz zu vielen chemischen Wasseraufbereitungspräparaten ohne Geschmacksbeeinträchtigung und lange Einwirkzeit sehr zuverlässig gegen Bakterien und Viren wirkt.
Steripen bietet hier verschiedene Modelle für unterschiedliche Einsatzbereiche an.
Ein Vorfilter ist bei trübem Wasser jedoch immer zwingend notwendig.
Die Lampenlebensdauer eines Steripen ist allerdings begrenzt und der Batterienachschub muss bei längeren Touren natürlich ebenfalls sicher gestellt sein.

Große Gruppen und lange Touren

Wer sehr lange unterwegs ist und (stationär) Wasser für große Gruppen aufbereiten muss, sollte auf ein besonders robustes Modell mit langlebigem Keramikfilter wie den Katadyn Pocket setzen.

Falls die Gefahr von Viren im Wasser besteht ist auch der nur 100g leichte MSR Miox (plus entsprechendem Vorfilter) eine interessante Alternative.
Der Batterie betriebene, zunächst etwas exotisch anmutende, Miox ist genau genommen kein echter Filter, sondern eine Keime und Viren abtötende “Oxidanzienfabrik” im Hosentaschenformat. Durch Zugabe von konventionellem Salz und Wasser in die Filterkammer wird im wesentlichen Chlor erzeugt, das anschließend zur Entkeimung von mehreren Litern Wasser genutzt werden kann. Vor und Nachteile entsprechen sonst im wesentlichen denen von chemischen (auf Chlor basierten) Entkeimungsmitteln wie Micropur und Co.

Ultraleicht Wanderer

Ultraleicht Wanderer werden meist auf große Wasserfilter verzichten und zu leichten, gut und sparsam dosierbaren, chemischen Wasseraufbereitungsmitteln wie Aquamira / Aquaventure oder Micropur Forte (in Tablettenform oder Flüssig) plus evtl. zusätzlichem Vorfilter greifen.

Ist man nicht länger als ein paar Tage oder Wochen am Stück unterwegs ist das wohl mit Abstand die leichteste Lösung.
Geschmackliche Beeinträchtigung, wie bei auf Chlor basierten Mitteln (Micropur Forte), lässt sich durch Brausetabletten und sog. Antichlorine entgegen wirken; oder man gewöhnt sich einfach dran.
Aquamira bzw. Aquaventure verursachen kaum eine geschmackliche Beeinträchtigung, sind aber durch die Mischung von zwei Komponenten etwas komplizierter in der Handhabung.
Nachteilig ist allerdings bei allen chemischen Wasseraufbereitungsmitteln die lange Einwirkzeit von bis zu 2 Stunden (für volle Wirkung gegen Viren) und begrenzte Haltbarkeit. Mit entsprechender Geduld und Planung lässt sich das jedoch problemlos in Kauf nehmen.

Bei längeren Reisen kann man auch mal über den Steripen Freedom plus Solarlader nachdenken.

Häufig genannt wird auch der äußerst preisgünstige Aquamira FrontierPro. Jedoch ist dieser eigentlich - wie viele preisgünstige Modelle aus Armyshop und Co -  nur bei gemäßigten Einsätzen bzw. in Kombination mit chemischen Präparaten zu empfehlen. Die Filtergröße des Aquamira Frontier Pro liegt nämlich bei lediglich 3 Mikron; das hört sich klein an, ist aber ziemlich grob! andere Filter eliminieren Partikel bis 0,2! Mikron. Die Lebensdauer ist zudem trotz austauschbarem Vorfilter recht begrenzt.

Eventuell taugen einzelne Komponenten des Wasserfilters in Verbindungen mit einigen Schläuchen und Platypus Faltflasche aber gut zum Bau leichter MYOG Gravitationsfilter.
Gleiches gilt für das deutlich leistungsfähigere einzelne Viropur Filterlement aus der Katadyn MyBottle (s.u.).

Für Gelegenheitsfilterer...

Wer nur gelegentlich oder im Ausnahmefall, z.B. auf einer Fernreise, mit dem Thema Wasseraufbereitung in Berührung kommt, findet mit Präparaten wie Micropur Forte ebenfalls eine unkomplizierte und vor allem preisgünstige Lösung.

Alternativ ist auch die Katadyn MyBottle Trinkflasche eine brauchbare Wasserfilter Lösung für Fernreisen oder Notfallgepäck.
Diese spezielle Trinkflasche von Katadyn verfügt über einen 3-stufigen sog. Viropur Filtereinsatz, der sowohl den Großteil (99,9%) Bakterien und Viren eliminiert, als auch den Geschmack und Geruch des Wassers verbessert. Nachteilig ist jedoch die relativ geringe Filterleistung von max. 100 Litern Wasser.

» weitere Tipps und Hinweise für den richtigen Wasserfilter

Wasserfilter kombinieren für maximale Sicherheit

Die größte Sicherheit und Flexibilität erreicht man wohl durch eine Kombination aus verschiedenen Wasserfiltersystemen und Aufbereitungstechniken. So lassen sich insbesondere chemische Wasseraufbereitungsmittel wie Micropur Forte oder Aquaventure/Aquamira (gegen Viren) mit klassischen Pump- oder Gravitationsfiltern (zur Minderung von Partikeln und teilweise auch Chemie bzw. Geschmacksverbesserung) kombinieren.
Auch die Kombination von Steripen und einfacheren Wassserfiltern wie dem Aquamira Frontier Pro ist ein brauchbares Konzept zur Wasseraufbereitung.

Vorfiltern ist empfehlenswert!

In jedem Fall ist bei eigentlich allen Wasserfilter Typen ein guter Vorfilter zu empfehlen. Bei der Wasserentkeimung durch UV-Licht oder Chemie ist dies wohl ohnehin unerlässlich, aber auch bei Filtern mit Kohle-, Keramik oder Glasfaserelement kann die Lebensdauer des Filters durch einen zusätzlichen Vorfilter ganz erheblich gesteigert werden. Das senkt vor allem die Betriebskosten, denn die Lebensdauer der verschiedenen Filterlemente wird sehr stark durch den Verschmutzungsgrad des Wassers beeinträchtigt. Nur in seltenen Fällen wird man wohl sonst die durch den Hersteller angegebene Filterleistung erreichen.
Als Vorfilter kann im Zweifel auch mit einer Socke, feinem Sieb oder auch einem Kaffeefilter improvisiert werden. Je häufiger und konsequenter vorgefiltert wird, desto länger hält i.d.R. das eigentliche Filterelement.

» weiterführende Links

6 Kommentare:

  1. Ich hatte die Aquamira/Aquaventure-Tropfen auf meiner Spanienradtour dabei und war von denen ziemlich begeistert. Vorteil ist, daß diese ziemlich geschmacksneutral sind. Was ich nicht so toll fand war, daß man recht stark drücken mußte um die was aus den Plastikflaschen rauszubekommen. Prompt ist mir dann eine der Flaschen aufgeplatzt!
    Für gemäßigte Touren in Europa trotzdem meine persönliche Wahl, da günstig, leicht und einfach zu handhaben. Die Einwirkzeit war mit irgendwas um die 30 Minuten auch akzeptabel.

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  2. Finde ich persönlich auch besser als Micropur, wenn man mit dem Anmischen von zwei Komponenten leben kann.
    Damit man sich das Gehampel mit den Flaschen spart, bzw. auch kleinere Portionen nutzen kann, empfehle ich ich das Umfüllen in kleine Dropper Bottles

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  3. Super vielen dank für das ausführliche Auflistung. Bin momentan selber auf der suche nach einem geeignetem System, und Freunde wollen mir den Katadyn Pocket schmackhaft machen. Stellt sich bei der anschaffen nicht auch noch die frage, wo man auf reisen geht und welche art an Verschmutzung man vorfinden kann?

    grüsse

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  4. Die Vergleichstabelle ist wirklich herausragend und IMHO einzigartig im Netz. Vielen Dank dafür!
    Vermisst habe ich die Livesaver Bottle 4000UF/6000UF von lifesaversystems.com
    Die ist zwar nicht zu Schnäppchenpreisen zu haben, ist aber die "Eierlegene-Wollmichsau" unter den Wasserfiltern. Sie ist leicht zu bedienen, entfernt auch stärkste Verschmutzungen, benötigt keinen extra Vorfilter und hält auch Viren zurück.

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  5. Besser kann man das Thema wohl nicht darstellen und beschreiben. Dank dir, wirklich sehr gute Übersicht! Felix

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