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Chemie in Outdoorbekleidung

OutdoorbekleidungDrei Buchstaben gingen in den letzten Wochen durch die Outdoorbranche und rüttelten so manchen Hersteller, Händler und auch Verbraucher kräftig auf. Für manche überraschend, für manche nur eine Frage der Zeit und für manch andere auch die Gelegenheit sich klar zu positionieren.

Worum geht es?

PFCs - kurz für perfluorierter und polyfluorierter Chemikalien. Diese Chemikalien haben durchaus einige nützliche Eigenschaften, im Alltag begegnen sie uns in ihren Abwandlungen als Pfannenbeschichtungen, Dichtungsmittel oder auch in der Medizintechnik. Outdoor sorgen sie z.B. als DWR (durable water repellents)-Beschichtung für den bekannten "Abperleffekt" von Funktionsbekleidung. Auch nahezu alle Membranen wie z.B. das bekannte Gore-Tex Laminat basieren auf  derartiger Technologie.

Problem?

Diese künstlich vom Menschen generierten und nicht natürlich vorkommenden Chemikalien sind bei all ihren positiven Eigenschaften und Verwendungen nicht ganz unumstritten. Denn sie sind äußerst resistent gegen biologische wie chemische Zersetzungsprozesse und verbleiben demnach sehr lange in unserer Umwelt. Durch Produktionsprozesse, Abrieb und  auch die Entsorgung am Ende eines Produktlebens gelangen die wasserlöslichen PFCs nach und nach in die Natur und lagern sich in den Gewässern dieser Welt ab. Durch den Nahrungskreislauf verbreiten sie sich weiter und gelangen  letztendlich auch in unseren Körper.
In wie weit das schädlich ist und welche genauen Konsequenzen das hat, ist noch umstritten, aber positive Effekte kann man wohl ganz sicher ausschließen...

Was war los?

Greenpeace hat mit seiner Detox-Kampagne das Thema aktuell auf den Tisch gebracht und vor allem Ende Oktober mit dem Report "Chemie für jedes Wetter" die Outdoorbranche unter Zugzwang gesetzt. Mehr als ein Dutzend Kleidungsstücke unterschiedlicher Hersteller (darunter große Marken wie Mammut, Wolfskin, Vaude, The North Face, Patagonia und auch einige bekannte Hausmarken wie Kaikkialla ) wurden auf den Prüfstand geschickt. Fazit: in allen kommt PFC zum Einsatz. Andere zum Teil vorgefundene Schadstoffe wie Phatalte oder NPE mal außen vor.

Ob es nun Fair ist nur auf die Outdoorbranche zu schimpfen sei mal dahin gestellt, aber wenn die "Big Player" der Branche sich nun mal Nachhaltigkeit und besonderes Umweltbewusstsein auf die Fahnen schreiben, müssen sie sich wohl auch diesem Anspruch stellen.

Was tun?

Als Nutzer von Outdoorbekleidung sehe ich persönlich jetzt keinen Grund zur vorschnellen Panik. Das wäre in Anbetracht der Vielzahl auftauchender Berichte über irgendwie belastetete oder ethisch nicht einwandfreie Outdoor Materialien (Schlafsäcke, Daunen, Imprägniermittel...) wahrscheinlich auch noch viel ungesünder...
Zumal die Berichte - mal unabhängig vom Greenpeace Detox Bericht - teilweise nicht immer sehr praxisorientierte Bemessungsgrundlagen hernehmen, manchmal einen recht aufpeitschenden und nicht diskussionszuträglichen Ton anschlagen und in Anbetracht noch nicht völlig erforschter Langzeitaufwirkungen auch gerne in Spekulationen verfallen.
In Punkto PFC ist die Outdoor Branche doch auch nur die Spitze des Eisbergs. Das Zeug ist allgegenwärtig und Outdoorbekleidung macht hier nur einen Bruchteil der allgemeinen Belastungen aus. Im anberaumten Einsatzbereich "Outdoor Wetterschutz" ist man hier sogar (noch) weitgehend alternativlos.

Dennoch soll das natürlich nicht missverstanden und als Aufruf zum "Augen verschließen" verstanden werden. Als Verbraucher haben wir es in der Hand die Branche mit unserem Kaufverhalen zu lenken und davon sollten wir auch Gebrauch machen. Gerade in Bezug zu PFC und Outdoor darf man natürlich einmal genau darüber nachdenken, ob hochfunktionelle Outdoorbkekleidung auf Expeditionsniveau wirklich in den Alltag Einzug nehmen muss!?

Viel wichtiger ist aber, dass die Hersteller ihre Produktionen generell in den Griff bekommen, denn hiervon geht die wesentlich größere Belastung für Natur und Umwelt aus. Und das betrifft natürlich nicht nur die aktuelle Problematik rund um PFC.
Einige wollen sich offensichtlich auch auf den Weg machen: ZDHCReaktionen im Greenpeace Blog, Vaude ...wir werden sehen, es ist ein langer Weg.

Lesenswert mit tlw. vielen weiterführenden Links an dieser Stelle kurz genannt:

3 Kommentare:

  1. Hi Marcel,

    kennst du zufällig eine Auflistung über Materialien und ihre Belastungen? Speziell interessiert mich das Pertex Shield+ z.B.

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  2. Muss ich leider passsen, so was ist mir bisher noch nicht begegnet...

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  3. Guter Artikel, vielen Dank! Ich persönlich leiste meinen Beitrag schon und verzichte weitestgehend auf das ganze hochgezüchtete Klamottenzeugs. Wenn es regnet, wird man halt nass...

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