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Outdoor-Buchtipp: Opas Eisberg von Stephan Orth

Stephan Orth geht in seinem Buch „Opas Eisberg“ auf Spurensuche durch das Inlandeis von Grönland. Doch trotz modernster Ausrüstung muss er bald die Route des Großvaters verlassen.
Eines Tages findet Stephan Orth das alte Tagebuch seines Großvaters Roderich Fick. Darin: Persönliche Aufzeichnungen von seiner Grönland-Durchquerung. Im Jahr 1912 machte er sich mit dem Expeditionsleiter Alfred de Quervain und einem weiteren Forscher auf den Weg nach Grönland, um dort das Inland-Eis zu überqueren. Über den mächtigen Eispanzer ging es von Ilulissat im Westen nach Ammassalik im Osten, eine deutlich längere Strecke als Fridtjof Nansen 1888 in Südgrönland zurücklegte. Roderich Fick erstellt als Vermesser nicht nur Höhenprofile dieser Expedition, sondern schriebt auch besagtes Tagebuch.

100 Jahre später

Dieses Tagebuch gerät fast 100 Jahre später in die Hände seines Enkels Stephan Orth, den er selbst nie kennen gelernt hat. Orth, der für das Nachrichtenportal SPIEGEL ONLINE mit dem Themenschwerpunkt Alpinismus und Abenteuerreisen schreibt, fasst den Entschluss, auf Spurensuche zu gehen. Einem Kurztrip mitsamt Familie zu einem Berg, der nach seinem Opa benannt ist, folgen schnell die Planungen für eine weit größere Expedition: eine Grönlandeis-Durchquerung auf der Route seines Opas. Doch schon nach wenigen Tagen auf dem unwirtlichen Eis muss Orth feststellen, dass dieses Unternehmen auch 100 Jahre später und mit deutlich besserer Ausrüstung gefährlich und unwägbar ist.
Das Buch ist einerseits Exkursionsbericht, andererseits eine Reise in die Vergangenheit. In eine Vergangenheit, in der Expeditionen in die Polar-Regionen noch Abenteuer waren, aus denen man sich nicht mit einem Hubschrauber ausfliegen lassen konnte. Abenteuer, die man sich nicht kaufen konnte. Stephan Orth gelingt es immer wieder, Abschnitte aus dem Tagebuch des Opas gekonnt in Verbindung zu seiner eigenen Reise zu setzen und so einen direkten Vergleich zu ziehen.

Mehr als die Geschichte zweier Abenteurer

„Opas Eisberg“ bietet mehr als die Geschichte zweier Abenteurer aus verschiedenen Jahrhunderten. Das Buch ist auch ein Stück deutsche Familiengeschichte. Stephan Orth lernt seinen Opa kennen, als dieser so alt ist wie Orth selbst. Sein Opa sitzt nicht im Schaukelstuhl und sinniert über die guten alten und besseren Zeiten. Sein Opa ist abenteuerlustig, jung, voller Tatendrang. Wer hat schon die Chance, seine Großeltern so kennen zu lernen? Für Orth einerseits eine einmalige Erfahrung. Andererseits: Sein Opa ist im Dritten Reich ein gefeierter Architekt und Adolf Hitler direkt unterstellt. Orth geht schonungslos damit um und distanziert sich von diesem Mann. Allein schon sprachlich: Statt „Opa“ schreibt er in diesem Kapitel nur noch von Großvater.
Man merkt dem Autor an, dass er Journalist und nicht nur schreibender Abenteurer ist. Er hält den Spannungsbogen auch dann noch, wenn das Ende der Reise absehbar ist. Fachlich fundiert und wortreiche Beschreibungen machen die 272 Seiten lesenswert. Ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen aus der damaligen Zeit rundet das Buch ab. Leider gibt es nur wenige Fotos, die aber von herausragender Qualität sind und Buch und Fantasie bereichern.

Informationen zum Buch

Autor: Stephan Orth
Titel: Opas Eisberg. Auf Spurensuche durch Grönland
Erschienen: April 2013, Malik Verlag
Seiten: 208
ISBN: 3890294324
Preis: 19,99 Euro (Gebundene Ausgabe)

Der Autor dieser RezensionSimon Wiggen ist gebürtiger Geograph und gelernter Journalist aus Bochum. In seiner Freizeit ist er mit Rad oder Wanderschuhen am liebsten an der frischen Luft. Für ausgeruestet.com schreibt er ab sofort in unregelmäßigen Abständen Rezensionen über Outdoor-Bücher.

1 Kommentare:

  1. Hört sich sehr interessant an!
    Finde es schon genial oder besser gesagt fast schon wunderlich, dass bereits der Opa Alpinist war, der Enkel (Stephan Ort) ihn eigentlich nicht kannte und dennoch die selbe Leidenschaft verfolgt und gleichzeitig Beruf und Hobby/Leidenschaft vereint.
    Allein aus diesem Grund eine bestimmt lesenswerte Lektüre ;)!

    Danke für den Tipp und beste Grüße,
    Dom

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