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Neue Schweizer Messer aus Delémont

Swiza MesserVor noch nicht all zu langer Zeit stellte sich bei der Neuanschaffung eines Schweizer Taschenmessers noch die Frage ob es das "Original" (Victorinox) oder das "Echte" (Wenger) werden soll. 
Mit der Einstellung der Wenger Sackmesser-Linie, bzw. durch Eingliederung zahlreicher Wenger Messermodelle in die Mutterfirma Victorinox - die bereits seit 2005 die Geschicke der beiden traditionsreichen Schweizer Messerhersteller bestimmt - wurde diese Frage nun obsolet.

Dennoch wird die Entscheidung für ein “Sackmesser” wohl auch in Zukunft nicht einfacher, denn mit der Firma Swiza hat Ende 2015 ein ganz neuer Hersteller von Schweizer Taschenmessern "Made in Switzerland" den Markt betreten.
Grund genug uns eines der neuen Taschenmesser mal genauer anzusehen. Freundlicherweise wurde uns dazu ein Swiza Testmodell (D03) vom swiza-shop.de zur Verfügung gestellt.

Swiza

Ursprünglich als Hersteller von Uhren gegründet reicht die Firmengeschichte von Swiza bis in das Jahr 1904 zurück. Im Jahr 2006 trennte sich die Gründerfamilie von Ihrem Unternehmen und es kam zu mehreren Besitzerwechseln bis schließlich Peter Hug und sein Partner Florian Lachat die Firma übernahmen und 2015 mit der Messerproduktion in Delémont unter dem Swiza Label begannen.

Der Standort Delémont ist dabei wohl kein Zufall denn auch die Firma Wenger hat(te) hier Ihre Wurzeln. Swiza Miteigentümer Peter Hug bringt zudem als ehemaliger Wenger CEO (2005 - 2013) reichlich Erfahrung aus der Messerbranche mit.

Swiza Messer

Swiza GriffschalenDas typische weiße Kreuz ziert alle Swiza Modelle und liefert damit einen eindeutigen Hinweis auf die Schweizer Herkunft. Durch das leicht geschwungene Design und frische Farben wirken die Messer trotz klassischem Aufbau sehr modern. Alle Modelle verfügen zudem über eine arretierbare Klinge und besonders rutschfest gestaltete Griffschalen.

Ausstattung und Werkzeuge

Bei seinen ersten Modellen verzichtet Swiza auf exotische Funktionen und setzt zur Markteinführung der ersten Modelle ausschließlich auf bewährte Werkzeuge, wie man Sie so oder so ähnlich bereits von Schweizer Messern der althergebrachten Konkurrenz kennt.

Daher lohnt der Blick auf Ausführung und Funktion im Detail:

Allen Swiza Messern gemeinsam ist die geschwungene Form der Griffschalen, die mit 96 mm Grifflänge geringfügig größer als die vergleichbaren Standardmodelle von Wenger (84 mm) und Victorinox (91 mm) ausfallen. Durch die leichte Biegung des Griffs sind die ausklappbaren Werkzeuge sehr leicht zugänglich. Diese sind in mehreren Lagen übereinander angeordnet und werden mit Ausnahme der Klinge zuverlässig per Federkraft in Position gehalten.

Schweizer Messer Vergleich
v.l.n.r. Wenger, Swiza & Victorinox im Vergleich

Rutschfeste Griffschalen

Schon beim ersten Kontakt besonders auffällig ist Haptik der Griffschalen: Die rutschfeste Oberfläche bietet sicheren Halt bei allen Arbeiten und macht das Messer gleichzeitig zu einem echten Handschmeichler. Im ersten Test zeigte das Material auch bei Beanspruchung keine nennenswerten Abnutzungserscheinungen. Die Haltbarkeit im Dauergebrauch kann jedoch nur ein Langzeittest zeigen, bei dem das Messer über Jahre unzählige Male aus der Sacktasche gezogen wird.

Feststellbare Klinge

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der Swiza Messer ist - bezogen auf die Gesamtlänge - deren große, feststellbare Klinge aus universellem 440er Stahl. Mit 75 mm Länge steht damit im Vergleich zu ähnlichen Modellen der Konkurrenz deutlich mehr Klinge zur Verfügung.

Klingenvergleich Schweizer Messer
Swiza bietet vergleichsweise viel Klinge
Zudem bietet die Arretierung der Klinge zusätzliche Sicherheit im Einsatz: Eine Stahlfeder (Liner) zwischen den Platinen legt sich dazu zuverlässig vor die Klinge und verhindert damit ein ungewolltes Einklappen beim Schneiden. Elegant gelöst wurde dabei auch die Entriegelung, die durch Druck auf das Schweizer Kreuz im Griff ganz einfach gelöst werden kann. Rechtshänder haben es mit dem Daumen etwas leichter die Sperre zu lösen, Linkshänder schaffen es mit etwas Geschick aber ebenso mit dem Zeigefinger.

Swiza Klingenverriegelung
Elegante Entsperrung der Liner Verriegelung durch Druck auf das Schweizer Kreuz
Trotz Feststellmechanismus und durchbrochenem Nagelhau lässt sich die Klinge der Messer nur beidhändig öffnen und unterliegt damit in den meisten Ländern keinen besonderen Einschränkungen beim Mitführen.

Will man eventuell eine Schwachstelle suchen, mag es sein, dass nach langer und häufiger Nutzung das Griffmaterial am Entriegelungsknopf irgendwann einreißen könnte.

Ein ähnliches Verriegelungssystem findet sich übrigens an den Messern der Victorinox/Wenger Ranger Serie, diese sind jedoch erheblich größer und lange nicht so kompakt wie die aktuellen Swiza Messer.

Werkzeuge im Detail

Die meisten Werkzeuge entsprechen in Aufbau und Funktion in weiten Teilen denen der Konkurrenz. Vorhanden sind neben der Klinge am von uns getesteten Modell D03 (Gewicht 85g):
  • Ahle mit Öse
  • Dosenöffner
  • Kapselheber
  • diverse Schraubendreher
  • Drahtbieger
  • Pinzette
  • Korkenzieher
Swiza Werkzeuge
Schraubendreher, Kapselheber, Ahle, Pinzette, Korkenzieher, Dosenöffner ...
Die kurze Ahle liegt gut erreichbar direkt hinter der Klinge und ermöglicht vielfältige Arbeiten wie Stechen, Bohren oder sogar Nähen. Durch Ihre Position und Schärfe eignet Sie sich sogar als Messerersatz für gröbere Arbeiten. Jedoch lässt sich damit nicht so gut starker Druck ausüben wie mit den Werkzeugen der Konkurrenz. Außerdem verbirgt sich hier erhöhte Gefahr für die Finger durch versehentliches Einklappen.

SAK Werkzeuge im Vergleich
Verschiedene SAK-Werkzeuge im Vergleich
Beim Dosenöffner an Schweizer Messern scheiden sich von je her die Geister. Swiza folgt hier dem Prinzip des Aufschneidens mit “Vortrieb”, wie man es auch von den Victorinox Modellen kennt. Ob diese Variante “die Beste” ist, sei mal dahin gestellt,  eine Dose lässt sich mit etwas Übung jedenfalls spielend öffnen. Der Vorteil der von Swiza gewählten Werkzeuggestaltung liegt jedoch vor allem darin, dass sich dabei noch ein behelfsmäßiger Schraubendreher in der Spitze unterbringen lässt.
Swiza Schraubendreher
Swiza Schraubendreher im Einsatz
Der Kabselheber/Schraubendreher ist insgesamt recht groß und durch verstärkte Federspannung sowohl in 90° und 180° Position einsetzbar. Im Gegensatz zur Ausführung an vielen Wenger Messern ist dieser jedoch nicht selbstverriegelnd.

Wenger "greift" Kronkorken besser
Beim Ansetzen des Kapselhebers fällt außerdem auf, dass dieser nicht bei jedem Versuch richtig unter den Kronkorken greift. Warum das so ist, verrät der genaue Blick auf die Konkurrenz: Neben den etwas geringeren Abmessungen sind deren Werkzeuge nämlich weniger stark abgerundet und verfügen über einen leicht asymmetrischen Anschliff an der Spitze. Hier besteht durchaus noch Potential zum Nachbessern.
 
Die kleine, halbrunde Aussparung unterhalb des Kapselhebers/Schraubendreher dient übrigens als Drahtbieger und leistet auch beim Entfernen von dünneren Kabelmänteln recht gute Dienste.

Der Korkenzieher ist mit 5 Windungen besonders lang und bestens geeignet für den Genuss eines guten Tropfens beim Picknick oder nach getaner Arbeit. Alternativ steht jedoch auch eine Variante mit Kreuzschlitz Schraubendreher (Modell D04) zur Verfügung.

Hilfreich ist die dezent in den Griffschalen versenkte Edelstahl-Pinzette. Splitter und co haben keine Chance.

Schweizer Messer Korkenzieher
Ahle und Korkenzieher
Auf den obligatorischen Zahnstocher hat Swiza jedoch verzichtet. Ebenso sucht man eine Fangriemenöse leider vergeblich.

Fazit

Konkurrenz belebt das Geschäft und so frischt Swiza als neuer Player den Markt der Schweizer Messer auf. Die Qualität der Taschenmesser befindet sich auf hohem Niveau und kann sich durchaus mit den etablierten Marken messen. Material, Verarbeitung und das satte “klacken” der Federn sind so wie man es von einem Schweizer Messer erwartet. Kleinere Schwächen finden sich lediglich mit strengem Blick aufs Detail, sind jedoch häufig auch nur Geschmackssache.

Die Swiza Messer haben uns gut gefallen, jedoch ist die Modellauswahl bisher noch klein und die einzelnen Werkzeuge orientieren sich sehr stark an den bekannten Funktionen der Konkurrenz. Eventuell bleibt hier noch Luft für mutige Innovationen. Wir blicken deshalb mit Spannung auf die Erweiterungen der Modellpalette.

Alle aktuellen Swizas sind erhältlich im Swiza Shop.

1 Kommentare:

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